|
|
|
Was sind Panoramen ? Neben dem 1896 entstandenen Innsbrucker Riesenrundgemälde gibt es weltweit nur noch drei Panoramen[1] aus dem ausgehenden 19. / beginnenden 20. Jahrhundert, die sich in einer weitgehend unverändert gebliebenen Original-Einheit mit Gebäude, Gemälde, Lichtführung und Besucherplattform befinden, wie diese vom Erfinder des Panoramas, Robert Barker, 1787 patentiert wurde. Und nur der Unterbringung und dem Verbleib der Leinwand in dieser klassischen Gebäudeform ist der globale optische Gesamteindruck zu verdanken, der diese Kunst- und Medienform auszeichnet. Panoramen waren im 19. Jahrhundert eine weit verbreitete Kunstform, die dieselbe Bedeutung hatte wie das Kino, das Fernsehen und das Internet heute. Sie sind echte Vorläufer dieser Massenmedien. Interessant ist, dass das Wort Panorama überhaupt erst mit dieser Kunstform entstanden ist und den räumlichen Gesamteindruck von Gemälde und passender Präsentationstechnik bezeichnet. So schreibt Stephan Oettermann, einer der besten Kenner der Materie: „In der Kunstform des Panoramas sind Bild und Ausstellungsraum untrennbar miteinander verschränkt. Um das zu gewährleisten, musste eine eigene Gebäudeform entwickelt werden“, eben die Panoramarotunde, zu deren Grundprinzip u.a. der kreisförmige Lichteinfall von oben gehörte, weiter das Velum, die Balustrade und das Vorgelände. Das alles bildet eine untrennbare Einheit. Bei den vier in ihrer weitgehenden originalen Einheit erhaltenen Panoramen aus der Zeit um 1900 handelt es sich interessanterweise um Panoramen, die im Gegensatz zu den klassischen Reisepanoramen nicht oder kaum gereist sind, da sie auch von vorneherein nicht als solche konzipiert worden waren. (mehr...) . Und nun soll ausgerechnet in Innsbruck dieser außerordentliche Kulturbestand mit seinem absoluten Originalcharakter durch eine Trennung von Leinwand und Rotunde seiner Einmaligkeit beraubt und zudem gefährdet werden. Soll es das Privileg des 21. Jahrhunderts sein, eine der letzten authentischen und in ihrer Einheit vollständig erhaltenen Aussage dieser kunst- und kulturhistorisch bedeutsamen Einrichtung durch eine voreilige, noch dazu im Namen der „Traditionskultur“ getroffene Entscheidung zu zerstören ? _________________[1] Mesdag , Niederlande (1881), Altötting, Deutschland (1903), Waterloo-Panorama, Belgien (1912) |